Wozu ein Frauenraum beim CCC? Hier laufen ja doch fast nur Männer rum, es mangelt an Räumen für interessante Workshops, und ein solcher Raum nur für Frauen scheint in diesem Jahr selbst von den Frauen nicht erwünscht zu sein.
Sicher gibt es viele, auch Frauen, die den Sinn einer solchen Sonderbehandlung anzweifeln. So wurde ich ganz emotional von einer Frau drauf hingewiesen, daß es ja wohl nicht sein könne, daß sie, nur weil sie eine Frau sei, einen Vortrag halten solle. Sicher gehört sie auch zu denen, die meinen, daß man Gleichberechtigung am besten verwirklicht, in dem man Frauen in aller Ruhe, möglichst unauffällig, machen läßt, was die Männer auch tun. Wenn es keine gibt, so wollen die wohl nicht. Das regelt sich alleine. Bloß keine Emanzen! Das rechtfertigt und erzeugt nur Aggressionen bei Männern.
Hier auf dem Kongress sind Frauen ganz klar eine Minderheit. Da muß mir jeder zustimmen. Und das hat meiner Meinung nach Gründe, die sicher über das "so wollen die wohl nicht" hinaus gehen.
Darüber, wie die Verdrängung von Frauen aus wichtigen, mit Macht verbundenen Bereichen hinein in unwichtige Rollen funktioniert, gibt es unzählige Bücher und Artikel. Die Vorurteile und Mechanismen, die das bewirken, sind vielfältig, und oft sehr schwer zu durchschauen. Selbst betroffene Frauen, die sich ganz bewußt und aufmerksam in Männerdomänen vorwagen, fallen auf Vorurteile und andere Mechanismen herein. Es heißt in der Frauenbewegung: Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht.
Und deshalb gibt es nur ganz wenige, die kreativ mit Computern arbeiten und sich dann auch noch für den CCC interessieren. Hier sind sie in der Minderheit. Und solang das so ist, ist jede Sonderbehandlung gerechtfertigt, um die Ursachen, die dazu geführt haben, wenigstens zum Teil zu kompensieren. Um Frauen, die da sind, in ihrer Arbeit zu ermutigen und ihnen eine Möglichkeit zu geben, ihre speziellen Erfahrungen zu diskutieren! Zum Beispiel in einem eigenem Raum! Erst recht, wenn es um eine so wichtige Veranstaltung wie den CCC geht.
Was sollte nun im Frauenraum passieren? Es gibt viele Themen, bei denen es sinnvoller ist, wenn Frauen sie unter sich diskutieren. Daß dies stimmt, kann jede Betreiberin einer Frauenmailbox ausführlich begründen. Es geht nicht darum, daß sich Frauen treffen, die mit Männern nicht mehr reden wollen.
Zum Beispiel betrifft es Frauen anders als Männer, wenn Computer im alltäglichen Leben immer wichtiger werden und sich gesellschaftliche Strukturen ändern. Wenn vielen Mädchen der Zugang zu Computern schwerer gemacht wird als ihren männlichen Altersgenossen, so verstärkt dies zukünftige Unterschiede noch. Von diesem Standpunkt aus erhalten Forderungen nach einer guten Ausbildung im Umgang mit Computern an den Schulen noch eine stärkere Wichtung.
Zum anderen ist es sicher klar, daß in einem Frauenraum Frauen leichter Informationen und Erfahrungen austauschen, die sonst vielleicht nicht ins Gespräch kämen. So aber bleiben sie hoffentlich dem Kongress treu, statt sich von seltsamen Freaks abschrecken zu lassen.
Veranstaltungen im Frauenraum müssen von den Frauen organisiert werden. Und ich bin sicher, daß es im nächsten Jahr, wie auch in den letzten Jahren, wieder klappen wird, egal woran es in diesem Jahr gescheitert ist. An Themen und Interesse kann es nicht fehlen. Dies wurde in einigen Wortmeldungen von Frauen auf der Abschlußdiskussion auch deutlich.