ISDN-Protokolle im Detail

Referent: Hartmut Schröder

Die fast unlösbare Aufgabe, mit seinem sehr unterschiedlich vorgebildeten Publikum in die Abgründe der ISDN-Protokolle und seinen unzähligen nationalen Irrwegen hinabzusteigen, meisterte Hartmut Schröder souverän, ohne sich allzu lange an Nebensächlichkeiten aufzuhalten. Einige Zuhörer, die ihr Spezialwissen zum sagenumwobenen X.31 vervollständigen wollten, konnten zwar nicht vollends befriedigt werden, jedoch blieb alles in allem ein kompakter Überblick zum Thema haften.

Zunächst gab der Referent einen kurzen Überblick zur neueren Geschichte der digitalen Datenübermitlung. Nachdem schon 1940 Grenzen der analogen Datenübertragungstechnik erkannt wurden, zeichnete sich bald ein weiterer Nachteil ab. Durch den aufwendigen analogen Verbindungsaufbau ergab sich eine erhebliche Verschwendung von Leitungskapazität. Anfang der 60er Jahre begannen die Telefongesellschaften zunehmend, ihre Daten untereinander digital zu übermitteln. Ein weiterer Drang zur Verwendung der digitalen Übermittlungsverfahren ergab sich aus der zunehmenden Verwendung von breitbandigen Glasfaserkabeln, die keine analogen Daten transportieren konnten. In Deutschland begann das Zeitalter des digitalen Telefonierens für Endkunden im Jahr 1986.

Nach einem kurzen Exkurs durch das OSI Schichtenmodell der ISO ;-), das die Übertragung von Daten in sieben Schichten von der Bitübertragung bis hin zur Anwendung modularisiert, begann die Beschreibung einer modernen ISDN-Schnittstelle. Der weit verbreitete "normale" ISDN-Anschluß (S0) setzt sich technisch aus zwei Datenkanälen - den sogenannten B-Kanälen - und einem Kanal für Steuersignale, dem D-Kanal, zusammen. Beide B - Kanäle können jeweils 64 kBit Daten pro Sekunde übertragen, während der Steuerkanal noch einmal 16 kBit übertragen kann. Der "große" ISDN-Anschluß (S2M), der wohl vorerst größeren Geschäftskunden vorbehalten bleibt, kommt mit 30 B-Kanälen und einem - allerdings 64 kBit pro Sekunde fassenden D-Kanal daher.

Um es einem Endgerät wie beispielsweise einem Telefon zu ermöglichen, sich mit einem weiteren Endgerät zu verbinden, sinnvoll zu kommunizieren und die Verbindung wieder abzubauen, bedarf es einer Reihe vorher klar definierter Protokolle. Eine wichtige Rolle beim Aufbau der Verbindung spielt der sogenannte Service Indicator. Das anrufende Gerät teilt seinem Gegenüber mit, welche Daten es auszutauschen wünscht. Wird beispielsweise einem Telefongerät von einem Endgerät mitgeteilt, daß es ein Fax abzusetzen gedenkt, so kann dieses schon in dieser frühen Aufbauphase die Verbindung ablehnen. Der Benutzer des Telefonapparates währe wohl in den meisten Fällen mit der Dekodierung der eingehenden Daten geistig überfordert. Es sei noch darauf hingewiesen, daß während der Aufbauphase unter anderem immer die Kennung (Telefonnummer) des Anrufenden übertragen wird. Das Ausschalten der Übertragung bewirkt also nicht die Unterdrückung der Übertragung, sondern nur die Anzeige der Kennung auf "normalen" Endgeräten.

Der Service-Indikator ist besonders bei Verbindungen über den Atlantik wichtig. Da in den Vereinigten Staaten Sprachdaten anders kodiert werden als in Europa (Europa: A-Law, USA: µ-Law), müssen die Daten unterwegs umgewandelt werden. Für die Übertragung von Programmdateien wäre eine Wandlung jedoch fatal. Hier schaltet der Indikator "Sprachdaten" also direkt einen Eingriff in die B-Kanal Daten ein.

Ohne eine tatsächliche B-Kanalverbindung aufzubauen, können im Euro-ISDN über das "User to User Signaling" in geringem Umfang Daten ausgetauscht werden. Nachdem ein Modemhersteller diese Fähigkeit unterstützte, führte die Telekom für diesen Dienst eine Gebühr ein. Eine Nutzung in geringem Umfang ist jedoch weiterhin zulässig.

Ein für den Endkunden wichtiger Teil der bestehenden ISDN-Protokolle bezieht sich auf die Verbindung zwischen Datenendgerät und der ISDN-Schnittstelle. In Europa haben sich dabei einige wichtige Protokolle durchgesetzt. (V.110, V.120, X..25, X.31, X.75, S.PPP, HDLC) Für eine nähere Spezifikation dieser Protokolle und der zugrundeliegenden Informationen sei auf die folgenden Veröffentlichungen verwiesen:

* Taschenbuch der Nachrichtentechnik, verlegt von Alcatel
* Computer - Netzwerke, Tannenbaum
* nationaler ISDN-Standart 1TR6 (nationales deutsches ISDN)
* ITU (CCITT) - Specs (Euro-ISDN) mit dem Kern Q.931 (D-Kanal Protokoll)
* ETSE und 1TR67 (Diff der deutschen Spezifikation zur ETSE)

Heiner Otterstedt


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