| "Erst werden die Häuser besetzt, dann das Netz" PrenzlNet: |
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Referent Andreas Jeromin
Auf dem Prenzlauer Berg in Berlin existiert die Keimzelle für ein Bürgernetzprojekt. Hervorgegangen aus der Hausbesetzerszene in den 80ziger Jahren, enstand dort eine Szene, die sowohl den notwendigen technischen Spieltrieb aufbringen kann, als auch durch die politischen Ereignisse gute Kontakte hat; obendrein liegt sie an einem gesellschaftlichen Kristallisationspunkt Berlin.
Es begann wie immer damit, daß jemand ein Ethernetkabel in seinem Haus verlegte und es später in das Nachbarhaus verlängerte. Die Idee, daraus etwas Größeres zu machen, lag nicht fern. Ein wichtiges Motiv lieferte Anfang 1996 die Telekom mit ihrer drastischen Gebührenerhöhung im Ortsbereich. Ein Vernetzung für Telefonie steht natürlich mit auf der Wunschliste, erscheint zur Zeit jedoch preislich nicht machbar.
Technisch ist das PrenzlNet nach einem Jahr heute noch nicht weiter, es besteht weiterhin aus den zwei Häusern. Aber politisch ist man vorangekommen, und zwar so weit, daß die Öffentlichkeit, regionale und überregionale Medien und auch der Chaos Communication Congress aufmerksam geworden sind.
Die Berliner Behörden verfügen selber über ein ganz gutes ATM Netz (9MB), und es bestehen Überlegungen, diese Bandbreite irgendwie - per PrenzlNet - an die Bürger durchzureichen. Diesen Gedankengängen förderlich sind unter anderem auch Fördermittel, die die EU solchen Projekten bereitzustellen gewillt ist.
Diese Aussicht auf einen günstigen Internetanschluß hat das Interesse der Prenzlauer Bürger und auch darüber hinaus verstärkt, aber Service-Providing, man ahnt es, ist gar nicht das primäre Ziel des Projektes. Bürgervernetzung ist viel mehr als billiges IP aus der Steckdose im Wohnzimmer. Die Existenz eines Intranetzes im Kiez hat natürlich ganz andere bemerkenswerte Vorteile. Nachbarn wohnen mit dem Netz erheblich enger beeinander, lernen sich per Netz kennen, und Informationen verbreiten sich auf einfachstem Weg, besser und bequemer als per Plakat und Flugzettel.
Es wurde inzwischen festgestellt, wieviele Leute jetzt schon überhaupt daran interessiert sind, ans Netz zu kommen - es haben sich ca. 150 gemeldet.
Die größten Schwierigkeiten bereitet nicht die Internetanbindung, sondern die Gesamtheit aller kleinen Probleme. Das fängt
damit an, daß die Netzbürger nicht in möglichst wenigen großen Häusern wohnen, was eine sehr kostengünstige Vernetzung
ermöglichen würde, sondern deutlich in der Gegend verteilt sind, und hört damit auf, daß es fatal sein kann, wenn jemand
umzieht und der in der alten Wohnung aufgestellte Hub keine Bleibe und das Netz hinter ihm keinen Anschluß mehr hat.
Daher stellt sich technisch und ökonomisch aktuell die Frage, wie eine Haus-zu-Hausvernetzung machbar ist. Eine gute
Perspektive sind die immer günstiger erhältlichen 'Funkmodems' (es sind natürlich keine Modems), die erstaunlich hohe
Bandbreiten herstellen können, im Bereich von 128 Kilobit bis 4 Megabit.
Resourcen:
Maillingliste, Icon, Artikel über Funknetze